Abstract
Das strukturelle Nachfolgeproblem in landwirtschaftlichen Familienbetrieben verdeutlicht die fehlende Bereitschaft der nachfolgenden Generation, den elterlichen Hof eigenständig weiterzuführen. Gleichzeitig besteht jedoch häufig eine tiefe familiäre Verbundenheit zum Hof, aus der der Wunsch resultiert, den Familienbetrieb zu erhalten. Auf dieses Nachfolgedilemma bieten klassische Nachfolgemodelle keine adäquaten Lösungen, sodass alternative Formen erforderlich sind, die eine Trennung von Eigentum und Betriebsleitung im Zuge der Hofnachfolge ermöglichen. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit, in welcher Weise und unter welchen Bedingungen die Betriebsgemeinschaft zum Erhalt landwirtschaftlicher Familienbetriebe beitragen kann. Dafür wurde ein qualitatives Forschungsdesign mit halbstrukturierten Einzelinterviews gewählt, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Betriebsgemeinschaften ein tragfähiges Modell zum Erhalt landwirtschaftlicher Familienbetriebe darstellen können, indem sie betriebliche Kontinuität und den Verbleib des Eigentums in Familienhand sichern, während Betriebsleitung und Bewirtschaftung extern organisiert werden. Als zentrale Voraussetzungen wurden dabei die aktive Einbindung, kontinuierliches Engagement, sichtbare Präsenz sowie die verantwortungsvolle Übernahme der Rolle als Mitunternehmer*in durch die Familie identifiziert. Gleichzeitig zeigt sich, dass der betriebliche Zusammenschluss hohe organisatorische sowie persönliche Anforderungen an die Beteiligten stellt und anfällig für Spannungen und Konflikte ist, die die langfristige Stabilität gefährden können.
Keywords: landwirtschaftliche familienbetriebe; hofnachfolge; alternative nachfolgemodelle; betriebsgemeinschaften

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